Antisemitische Schmierereien auf der Wiwili-Brücke in Freiburg. Aufruf zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus am 26.11.2013 um 19 Uhr auf der Wiwili-Brücke.

Wiwili Schmier
In Form eines bronzenen Mantels mit Davidstern und einer Gedenktafel wird seit 2003 auf der Wiwili-Brücke an die Deportation der Freiburger Juden und Jüdinnen in das Konzentrationslager Gurs in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 1940 erinnert. Unbekannte beschmierten dieses Denkmal in der Nacht von Sonntag auf Montag mit einem Hakenkreuz und einem Spruch. Das Hakenkreuz wurde auf den linken Ärmel des dort liegenden Mantels gemalt und soll wohl eine Hakenkreuzbinde darstellen, darunter steht das Wort „huch“. Neben dem Mantel wurde der Schriftzug „Auch nur Juden“ geschrieben und ein Pfeil auf den Mantel hinzugefügt. Was genau damit gemeint sein soll, lässt sich nur vermuten. Allerdings springt ins Auge, dass das Hakenkreuz in Form einer Binde auf dem mit dem Davidstern gekennzeichneten Mantel eine Form des Vergleiches anstrebt. Diesen Vergleich hört man heutzutage aus der Ecke der sogenannten „IsraelkritikerInnen“ mit dem typischen Satz „Was früher den Juden angetan wurde, tun heute die Juden den Palästinensern an“. Neben der offensichtlichen Verharmlosung der antisemitischen Verbrechen der deutschen Volksgemeinschaft ist er ebenfalls eine gängige Form der deutschen Schuldabwehr.

Am 9.11.2013, dem Tag des Gedenkens an die Reichspogromnacht, veröffentlichte die Badische Zeitung eine Karikatur, in welcher der israelische Präsident Netanjahu am Telefon Gift bestellt, um damit ein Mischwesen aus Friedenstaube und Schnecke mit Schneckenkorn und Taubengift zu vergiften. Die Schnecken-Friedenstaube kriecht in Richtung eines Schildes mit der Aufschrift „Genf, Iran-Atom-Lösung“. Das hier reproduzierte antisemitische Stereotyp vom Juden als Brunnenvergifter springt dem Betrachter offensichtlich ins Auge. Die Karikatur sorgte weltweit für Aufsehen: das American Jewish Committee, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die Jerusalem Post bezogen gegenüber der Badischen Zeitung Stellung.1 Doch der stellvertretende Redaktionsleiter konnte in der Karikatur keinen Antisemitismus erkennen und so bleibt eine Entschuldigung der Badischen Zeitung bis zum heutigen Tage aus.

Dem nicht genug, treibt seit 2011 das sogenannte Café Palestine in Freiburg sein Unwesen.
Im Oktober letzten Jahres verbot die Universität Freiburg diesem eine Veranstaltung. Begründet wurde dies durch einen Vorwurf, dass die Universität es nicht ausschließen kann, dass es bei deren Veranstaltungen zu dem Straftatbestand der Volksverhetzung kommen könnte. Die Universität bezog ihre Anschuldigungen auf einen Referenten des CPF, welcher immer wieder zu deren Veranstaltungen eingeladen wird.2 Es handelt sich um Gilad Atzmon: Atzmon ist ein israelischer Jazzmusiker, der seit 1994 in Großbritannien im selbstgewählten Exil lebt. Neben seiner Tätigkeit als Musiker betätigt er sich als Autor politischer Essays und hat bisher zwei Romane und ein pseudowissenschaftliches Buch über jüdische Identität veröffentlicht. Der Fokus von Gilad Atzmons „Werk“ liegt bei Israel und dem Judentum. Doch er ist nicht einfach nur ein Kritiker; Gilad Atzmon kann getrost als lupenreiner Antisemit bezeichnet werden. So wundert es nicht, dass der Holocaustleugner und Neonazi Horst Mahler 2013 ein Manuskript veröffentlichte, in dem er Atzmon attestierte, vom Juden zum Menschen geworden zu sein.3 Der Historiker Dr. Heinrich Schwendemann bezeichnet Gilad Atzmon im Zuge einer Gerichtsverhandlung gegen das Café Palestine als Antisemiten und Holocaustrelativierer. Er begründete seine Absage an eine Diskussion mit Atzmon mit dem Satz: „Mit der NPD würde ich auch nicht über jüdische Identität diskutieren“. Auch auf Veranstaltungen des Café Palestine Freiburg ist Gilad Atzmon schon durch seine antisemitischen Aussagen aufgefallen. Unter anderem sagte er bei einem Vortrag im Jos-Fritz-Café wortwörtlich, dass Israel schlimmer sei als der Nationalsozialismus. Er begründete diesen absurde Vergleich damit, dass Israel ja eine Demokratie sei und der Nationalsozialismus eine Diktatur.4
Wem das noch nicht genug ist, findet auf seiner Homepage folgendes Zitat:
„If the Nazis ran a death factory in Auschwitz-Birkenau, why would the Jewish prisoners join them at the end of the war? ‘We should ask for some conclusive historical evidence and arguments rather than follow a religious narrative…’ ‘Why were the Jews hated? Why did European people stand up against their next-door neighbours? Why are the Jews hated in the Middle East.“5
Hier stellt Gilad Atzmon nicht nur die Existenz des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Frage, sondern er betitelt die historische Forschung über den Holocaust als Märchen. Bei einem Auftritt 2005 in Bochum bezeichnete er diese als von den Amerikanern und Zionisten initiierte Fälschung. In seinem Buch „the wandering who“ sieht er als einzige Lösung für das Problem Zionismus die Entledigung der jüdischen Identität, denn diese sei von Natur aus böse.6 Ob die Juden das selbst schaffen werden bezweifelt er. Wer bei solchen Aussagen noch keinen Antisemitismus erkennen kann, der will ihn nicht erkennen. Das Café Palestine wurde mit all diesen Aussagen schon mehrmals konfrontiert, aber sieht bis heute von einer Distanzierung von Herr Atzmon ab.

Dass der Antisemitismus sich wieder regen Zuspruchs erfreut, ist in mehreren aktuellen Studien belegt. Auch in Deutschland stehen jüdische Einrichtungen nach wie vor unter dauerhaftem Polizeischutz. Offensichtlich ist auch, dass der heutige Antisemitismus untrennbar mit dem Nahostkonflikt verbunden ist. Die alten antisemitischen Ressentiments werden unter dem Deckmantel der sogenannten Israelkritik nun auf den jüdischen Staat projiziert. Es kann nicht sein, dass Freiburg auf der einen Seite sich selber als beinahe nazifreie Stadt rühmt, aber AntisemitInnen wie die Betreiber des Café Palstine völlig ungestört ihre Veranstaltungen durchführen können. Würde Horst Mahler hier in Freiburg auftreten, wäre die Aufregung vermutlich groß und von KTS bis Rathaus würde gegen diese Veranstaltung mobilisiert werden. Auch finden wir es beschämend, dass seitens der Badischen Zeitung bis zum heutigen Tag keine Distanzierung oder Entschuldigung stattgefunden hat. Zusammen mit der antisemitischen Beschmierung des Denkmals auf der Wiwili-Brücke schlägt sich das nieder, was viele Juden und Jüdinnen in Europa tagtäglich vermehrt erleben: einen immer stärker werdenden Anstieg des Antisemitismus.

Deshalb rufen wir für Dienstag, den 26.11.2013 um 19 Uhr auf der Wiwili-Brücke zu einer Kundgebung auf, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen!

  1. http://www.ruhrbarone.de/karikatur-israel-als-giftmoerder-in-der-badischen-zeitung/ [zurück]
  2. http://www.publikative.org/2013/05/30/muss-die-freiburger-uni-hetze-gegen-israel-raum-geben/ [zurück]
  3. http://de.scribd.com/doc/126974147/Horst-Mahler-Das-Ende-Der-Wanderschaft [zurück]
  4. http://www.youtube.com/watch?v=nf81ykc7ZQI (ab Minute 8 ) [zurück]
  5. http://www.gilad.co.uk/writings/truth-history-and-integrity-by-gilad-atzmon.html [zurück]
  6. Vgl. Atzmon, Gilad: „Der wandernde Wer? Eine Studie jüdischer Identitätspolitik“, Frankfurt 2011, S. 221-226. [zurück]

1 Antwort auf „Antisemitische Schmierereien auf der Wiwili-Brücke in Freiburg. Aufruf zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus am 26.11.2013 um 19 Uhr auf der Wiwili-Brücke.“


  1. 1 Antisemitische Beschädigung des Wiwili Mahnmals « Antifaschistische Initiative Freiburg Pingback am 17. Februar 2014 um 22:29 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.