Stellungnahme zur Kritik an unserem Aufruf zu einer Kungebung gegen Antisemitismus (25.11.2013)

Zu unserer Freude folgten deutlich über 60 Personen unserem Aufruf, am 26.11. gegen Antisemitismus in Freiburg zu demonstrieren. Wir möchten uns bei dieser Gelegenheit nochmal bei allen bedanken, die trotz Kälte ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt haben. Wir sind uns darüber im Klaren, dass nicht alle TeilnehmerInnen unsere im Aufruf dargelegten politischen Positionen gänzlich teilen, sondern einige auch hauptsächlich aus Empörung über die in Freiburg zum Glück außergewöhnliche Schändung des Denkmals für die Opfer der Shoah zu uns stießen.

Es wurde im Zuge und im Vorfeld dieser Veranstaltung Kritik an unserem untenstehenden Text geäußert, auf welche wir in der gebotenen Kürze eingehen wollen.

1. Es wurde bemängelt, dass wir vorschnell von unserer Interpretation der — durchaus kryptisch anmutenden — Schmierereien auf dem Denkmal zum Nahostkonflikt übergingen. Es sei nicht mit Sicherheit zu sagen, welche antisemitische Intention genau den Täter antrieb.
Wir möchten hierzu klarstellen, dass uns durchaus klar ist, dass der Nahostkonflikt für ihn nicht unbedingt den Bezugsrahmen darstellte und dies nur eine von mehreren Interpretationen ist. Mit unserer Demonstration wollten wir jedoch grundsätzlich auf Antisemitismus in Freiburg aufmerksam machen, der sich keineswegs auf die bekennende radikale Rechte beschränkt. Da es in Freiburg keine organisierte Neonaziszene gibt und auch stilistisch große Unterschiede zu diesem Spektrum auszumachen sind, liegt deren Täterschaft in diesem konkreten Fall nicht einmal unbedingt nahe.

2. Es wurde kritisch angemerkt, dass wir die antisemitischen Schmierereien instrumentalisiert hätten, um gegen das Café Palestine zu hetzen. Hierzu möchten wir darauf hinweisen, dass bereits der /Demoaufruf klarmachte, dass das Ziel eine Kundgebung gegen jegliche antisemitische Umtriebe in Freiburg war und sich nicht nur auf die Schmierereien bezog: Das Café Palestine ist für uns die momentan aktivste politische Gruppierung, die durch antisemitische Eskapaden auffällt. Der Aufruf wurde zu Beginn der Kundgebung verlesen, so dass jede Person, die das nicht so sieht, sich vor Beginn der Demonstration hätte distanzieren können.

3. Des Weiteren gab es Stimmen, die in einer Passage unseres Texts eine Gleichsetzung des Café Palestines mit Neonazis wie Horst Mahler entdeckten. Wäre dies unsere Intention gewesen, wäre dies zu Recht zu kritisieren. Wir sind uns jedoch völlig bewusst, dass das Monopol für Antisemitismus nicht bei der Rechten liegt und das Café Palestine nicht zur organisierten radikalen Rechten zu zählen ist.
Wir schrieben: /“Es kann nicht sein, dass Freiburg auf der einen Seite sich selber als beinahe nazifreie Stadt rühmt, aber Antisemiten wie die Betreiber des Café Palstine völlig ungestört ihre Veranstaltungen durch führen können.“/ Wir möchten hiermit klarstellen, dass dies ausdrücklich nicht als Gleichsetzung des Café Palestine mit Neonazis gemeint war. Dass sich dieser Satz so interpretieren lässt, bedauern wir: Inflationäre Nazivergleiche werden zu Recht als Relativierung der nationalsozialistischen Terrorherrschaft kritisiert. Wir werden unsere Kritik am „Café Judenhass“ in einem kommenden Beitrag ausführlicher darlegen.

4. Zur unsachlichen Kritik, wir hätten die KTS und das Rathaus auf eine Stufe gestellt, weil sie im selben Satz erwähnt wurden, möchten wir uns aufgrund mangelnder pädagogischer Expertise nicht äußern. Wir verweisen auf folgenden Link:

Wir freuen uns über Input, Kritik, Anmerkungen und auch Lob und nehmen diese – soweit möglich – auch ernst.

Es grüßt:

eure Antifaschistische Initiative Freiburg (AIF)