Karl Pfeifer: Auf dem Weg in den völkischen Autoritarismus? Extreme Rechte, Antiziganismus und Antisemitismus in Ungarn

Ungarn wird seit dem Jahr 2010 von der nationalistischen und zum Teil völkischen Fidesz Partei regiert. Eine der ersten Handlungen der Fideszregierung war die Einschränkung der Pressefreiheit. Im Juni 2014 betonte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, dass Ungarn eine illiberale Demokratie werden solle.

Fidesz und die extrem rechte Partei Jobbik stehen sich ideologisch nahe, während sie politisch um einen zwischen beiden Parteien schwankenden Wähleranteil konkurrieren. In vielen lokalen Verwaltungen arbeiten die beiden eng zusammen. Die Agitation gegen Roma verschärft sich und in vielen Schulen herrscht Segregation. Die Regierung fördert Geschichtsfälschung, wie das auch das Denkmal, das an die deutsche Besatzung Ungarns erinnern soll, zeigt.

Diese Regierung – die im Parlament über eine zwei-Drittel Mehrheit verfügt – hat viele soziale Rechte drastisch eingeschränkt. Heute leben mehr als 30 Prozent der Einwohner in Armut. Von allen EU Staaten ist die soziale Ungleichheit nur in Bulgarien, Rumänien und Griechenland größer. Einige ungarische Wissenschaftler sehen Ungarn als „postkommunistischen Mafiastaat“, der nur die Interessen einer kleinen Schicht wahrnimmt, die sich auf Kosten der Armen bereichert.

Der Journalist Karl Pfeifer wird die Entwicklungen der letzten Jahre in Ungarn analysieren und mit Euch diskutieren. Er lebt und arbeitet in Wien. Er floh 1938 vor den Nazis aus Österreich nach Ungarn und von dort 1943 mit weiteren 50 Jugendlichen nach Palästina. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Wiedererstarken von Antisemitismus und Antiziganismus in Europa. In Wien gehört er dem Kuratorium des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands (DÖW) an und recherchiert dort zu neonazistischen Bewegungen. Er war jahrelang Redakteur der „Gemeinde“, des Organs der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, und Korrespondent des israelischen Radios.

Montag, 02. März 2015 um 19 Uhr 30
Universität Freiburg, KGI, HS 1098

Wir bedanken uns für die finanzielle Unterstützung durch: ver.di Stuttgart und dem Jungen Forum der DIG Freiburg.

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