15. Antifa-Kneipe: Eine Aktualisierung der Kritik des Gedenkens

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Vortrag der Antifaschistischen Initiative Freiburg mit anschließender Diskussion.

Den Versuch, die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands vergessen zu machen oder doch zumindest den berühmten Schlussstrich zu ziehen, gibt es seit Jahrzehnten. Beispielhaft dafür stehen der bayrische Übervater Franz-Josef Strauß („Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen“, 1969) oder Martin Walsers Rede in der Paulskirche 1998 („ (…) daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt“). Joachim Gauck, amtierender Präsident der BRD, hatte im März 2015 für die Einweihung einer Bürgerkriegsgedenkstätte in Peru derweil eine neue Botschaft im Gepäck: „Unsere Erfahrung hat unsere Nation nicht kaputt gemacht, sondern gestärkt. Man kann die Vergangenheit hinter sich lassen, ohne die begangenen Gräueltaten zu verstecken.“

70 Jahre nach Kriegsende scheint es gelungen, dem Gedenken an die Opfer einen Nutzen abzuringen: Erinnern? Ja! Aber bitte zum Wohle der Nation. Der Aufarbeitungsweltmeister feiert sein spätes Eingeständnis der Taten und verharrt dabei in Demutsgesten. Die Forderung ist nicht mehr, von Auschwitz nichts mehr zu hören, stattdessen fungiert die angeblich so vorbildliche Auseinandersetzung
der Deutschen mit den beangenen Verbrechen als Beweis der eigenen moralischen Überlegenheit.

Wir wollen uns am Beispiel des 2013 ausgestrahlten ZDF-Dreiteilers „Unsere Mütter, unsere Väter“ und der staatlichen Erinnerungspolitik der „Supergedenkjahre“ 2014 und 2015 diesen politischen Dimensionen des Erinnerns und Gedenkens in der Gegenwart nähern.

Nach dem Input gibt es Gelegenheit, die vorgestellten Thesen bei Bier, Mate oder Tee zu diskutieren.